Warum es so schwierig ist, sich zu ändern

Versuche Folgendes: Finger ineinander verschränken und während einigen Sekunden so sitzenbleiben. Dann die Position des oberen Daumens mit dem unteren tauschen. Fühlt sich irgendwie komisch an, oder? Finger ausschütteln und wieder ineinander verschränken. Wetten, dass wieder derselbe Daumen oben ist wie zuerst auch? Wenn sogar unsere Daumen das tun, was sie wollen, stell dir vor, wie schwierig es ist, den ganzen Körper zu kontrollieren.

Etwa die Hälfte unserer alltäglichen Handlungen laufen nach einem unbewussten Programm ab. Und das Gehirn versucht dauernd, so viele Handlungen wie möglich in Routinen zu verwandeln. Die merkt man dann, wenn man wieder einmal in ein Zimmer gelaufen ist und nicht mehr weiss warum.Räumlich und zeitlich gemeinsam auftretende Ereignisse werden durch Wiederholung immer miteinander verknüpft. Erkennt das Gehirn dann die entsprechende Situation, führen wir die erlernte Tätigkeit automatisch aus.

Routinen haben Vorteile. Sie vermitteln uns ein Gefühl von Sicherheit und verbrauchen nur minimale Hirnkapazität. Sie entlasten vom Zwang, sich ständig neu entscheiden zu müssen.
Doch es kommt noch schlimmer: Immer wenn wir wie gewohnt handeln, dann schüttet unser limbisches System Belohnungsstoffe aus. Durch diese Glücksbotenstoffe wird eine Handlung bekräftigt. Wie soll man sich also gegen die eigenen Gewohnheiten wehren?

Psychologen geben Hoffnung: Wenn die Mechanismen verstanden werden, nach denen unsere Gewohnheiten ablaufen, dann können wir beginnen, unsere Handlungen zu steuern. Gewohnheitsschlaufen bestehen aus 3 Komponenten: Dem auslösenden Reiz, der ausgeführten Gewohnheit und der daraus resultierenden Belohnung. Darum löst bei vielen nur schon das betreten eines Kinos den Wunsch nach Popcorn aus. Man kann sich nun also entscheiden, das Kino grundsätzlich zu meiden – oder das Popcorn mit Gemüse-Sticks auszutauschen. Das Problem bei der letzteren Variante: du wirst um dich herum immer noch alle anderen Menschen sehen, die weiterhin wie gewohnt Popcorn mampfen. Es ist daher einfacher, Gewohnheiten zu ändern, wenn die gesamte Situation sich ändert. Darum fällt es vielleicht manchen Menschen auch einfacher, mit dem Rauchen aufzuhören, wenn sie in den Ferien sind. Wohnungswechsel, neuer Job, neue Beziehung – dies alles können Möglichkeiten sein, um festgefahrene Routinen zu ändern.

Doch manchmal klappt es trotz den besten Vorsätzen einfach nicht. Kognitionspsychologen konnten mit Aufnahmen des Kernspintomografen belegen, dass die beiden Stresshormone Cortisol und Noradrenalin die Funktionen des Frontalhirns herunterfahren. Stehen wir unter Druck, können wir schlechter zielgerichtet denken und handeln. Jene Hirnregionen, die unsere Gewohnheiten lenken, arbeiten unter dem Einfluss der Stresshormone wie gewohnt weiter. Manchmal können wir unsere Routinen nur dann ändern, wenn der Input von Aussen kommt. Sogenannte Teachable Moments, in denen sich die Lebensumstände so drastisch verändern, dass wir die Möglichkeit bekommen, unsere Handlungsmuster zu durchbrechen. Ein solcher Vorgang wird beispielsweise häufig bei Frauen beobachtet, die, sobald sie schwanger sind, mühelos auf Zigaretten, Alkohol, Kaffee und andere angewöhnte Laster verzichten können.

 

Zusammengefasst kann man sagen, dass Wille und Motivation alleine oftmals nicht ausreichen, um routinierte Handlungen zu verändern. Es braucht dazu:

  • Ein realistisches, erreichbares Ziel
  • eine stressfreie Umgebung
  • den geeigneten Moment



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